Eröffnung der Karpfensaison 2020 durch Staatsministerin Michaela Kaniber


Herzlich Willkommen zur Eröffnung der Bayerischen Karpfensaison 2020 hier in der Gemeinde  Fensterbach!

I. Karpfensaison 2020
Seit Jahrhunderten wird Karpfen in den Monaten mit „r“ (von September bis April) abgefischt und verspeist. Der Genuss ist also zeitlich begrenzt. Deshalb weisen wir heute ausdrücklich auf den Saisonbeginn hin.
Mit dieser Aktion erinnern wir den Verbraucher auch daran, dass mit dem Karpfen – hier in unserer Heimat – ein schmackhafter Speisefisch allererster Güte erzeugt wird.
Thunfisch aus dem überfischten Indischen Ozean, Pangasius aus vietnamesischen Fischfarmen mit 100. Mio. Tieren samt massiven Antibiotikaeinsatz und nicht zuletzt Nordsee-Garnelen, die zum Pulen nach Nordafrika transportiert werden:
Muss das wirklich auf unsern Tellern landen?
Der bayerische Karpfen hingegen ist ein Naturprodukt höchster Güte und hat einen Lebensraum, wie sie keine Fischhaltungsform dieser Welt bieten kann:
15 Quadratmeter Teichfläche für einen Fisch.
Bayerns Teichwirte wirtschaften naturnah und extensiv. Diese familiären Strukturen stehen für Tradition. Es gibt hier eben keine industrielle Aquakultur.
Der Fisch ernährt sich nur von eiweißreichen Kleinlebewesen im Teich, dem Zooplankton und erhält zur Ergänzung Getreide – sonst nichts! Drei Sommer lang wächst der bayerische Karpfen im Teich heran.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
wir dürfen auch nicht vergessen, dass die Corona-Pandemie die Teichwirte dieses Jahr vor besonderen Herausforderungen, denn in der Gastronomie – einem wichtigen Absatzkanal – ist die Lager weiter angespannt. Ich möchte daher an alle Verbraucherinnen und Verbraucher appellieren: Greifen Sie zu heimischem Karpfen!
Sie leisten damit einen Beitrag zum Erhalt der landeskulturell und ökologisch wertvollen Teichlandschaft! Im Bereich Vermarktung können wir diese Krise aber auch als Chance nutzen. Denn nie waren frische, regionale Lebensmittel so gefragt wie heute!
Viele Verbraucher entdecken in Zeiten von Homeoffice und Kantinenschließungen ihre Leidenschaft für selbst zubereitete Mahlzeiten. Und was könnte sich da besser eignen als nachhaltig erzeugter Fisch!

II. Karpfenteichwirtschaft in Bayern
Mit einer Betriebsgröße von durchschnittlich 2,5 Hektar haben wir zwar sehr kleine Strukturen, trotzdem ist Bayern bei der Karpfenerzeugung bundesweit führend:

Rund 20.000 Hektar – verteilt auf mindestens 30.000 Einzelteiche – bewirtschaften unsere Teichwirte. Mit 6.000 Tonnen jährlich erzeugen sie mehr als die Hälfte der deutschen Produktion. Das Besondere aber ist, das es sich dabei ausschließlich um Familienbetriebe handelt, die ihre Teiche seit vielen Generationen pflegen. III. Unterstützung für die Teichwirte Wir setzen alles daran, dass eben diese Familienbetriebe eine Zukunft haben! Unsere einmalige Teich-Kulturlandschaft, die vielen seltenen Tiere und Pflanzen Lebensraum bietet, kann nur durch Bewirtschaftung erhalten bleiben! Um das zu gewährleisten, fördern wir über unser Bayerisches Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) die traditionelle, extensive Wirtschaftsweise. Hier konnten wir eine Aufstockung von 200 auf 350 Euro pro Hektar Teichfläche erreichen, die auch schon für das Jahr 2020 wirksam wurde. Das spüren vor allem die Oberpfälzer Teichwirte, die mit gut 1.500 ha Teichfläche am KULAP teilnehmen. Und wir unterstützen Investitionen in Teich- und Hälteranlagen sowie Verarbeitungs- und Direktvermarktungsräume im Rahmen des Europäischen Meeres- und Fischereifonds (EMFF). Allein für die Oberpfalz haben wir in dieser Förderperiode Zuschüsse von knapp 3 Mio. Euro bewilligt, also Investitionen in Höhe von rund 6 Mio. Euro angeschoben. Sorgen bereiten uns aber zunehmend fischfressende Wildtiere, die den Teichwirten die Ernte streitig machen. Dazu gehören als „Dauerbrenner“ der Kormoran, wobei wir mit dem bayerischen Kormoranmanagement die bundesweit erfolgreichsten Möglichkeiten zur Regulierung haben. Unsere beiden Kormoranmanager sind inzwischen gut etabliert und haben erfolgreich ein bayernweites Netzwerk aus ehrenamtlichen Kormoranberatern aufgebaut, die Vergrämungsaktionen organisieren und vor Ort beraten. Als zweites Beispiel ist der Fischotter zu nennen. Die Schäden erreichen inzwischen ein existenzbedrohendes Ausmaß. Als einziges Bundesland haben wir einen Managementplan etabliert und unterstützen Betriebe durch: * die Beratung unserer Otterberater * mit Zuschüssen für den Bau von Abwehrzäunen * und mit Ausgleichszahlungen für die Otterschäden in Teichanlagen Fast eine dreiviertel Million Euro Schäden wurden in der Oberpfalz für das Jahr 2019 beantragt. Um den steigenden Bedarf an Ausgleichszahlungen gerecht zu werden, haben wir die Haushaltsmittel kontinuierlich aufgestockt, künftig stehen bayernweit 1 Mio. Euro pro Jahr zur Verfügung. Doch wir sind uns einig: Ausgleichszahlungen können auf Dauer nicht die Lösung sein. Deshalb wurde hier in der Oberpfalz ein Pilotprojekt gestartet, in dem die Entnahme des Fischotters in besonders betroffenen Teichgebieten erprobt werden sollte. Ich bin schon sehr verwundert, wie leichtfertig und fahrlässig dieses Projekt durch eine Klage des Bund Naturschutz gestoppt wurde – und derzeit auf Eis liegt. Und das, obwohl die Umweltverbände an den vorbereitenden Arbeitsgruppen beteiligt waren und obwohl die Bayerische Landesanstalt und das Landesamt für Umwelt dieses Projekt fachlich äußerst fundiert vorbetreitet haben. Wir hoffen auf eine zügige und ausgewogene Entscheidung. IV. Dank und Schluss Die richtige Entscheidung getroffen haben Sie, meine Damen und Herren, bei der Wahl der Gastgeber. Liebe Familie Bartmann, werter Herr Christian Bartmann, vergelt`s Gott dafür, dass wir heute am sogenannten „Leistenweiher“ zu Gast sein dürfen und Ihr Engagement, mit dem Sie ihre Teiche bewirtschaften, hautnah miterleben können! Besonders Ihnen, verehrter Herr Konrad Bartmann (seit 2014 Träger des Bundesverdienstkreuzes, 1971 Gründungsmitglied des Verbands Bayerischer Berufsfischer), gilt mein, und ich bin ganz sicher, unser aller Dank für die langjährige Geschäftsführung der Teichgenossenschaft Oberpfalz! Ebenso danke ich dem Vorsitzenden Herrn Abgeordneten Alexander Flierl sowie dem Fischerzeugerring Oberpfalz mit seinem Vorstand Herrn Klaus Bächer für die Mitorganisation des heutigen Tages! Jetzt dürfen wir uns im Gasthof Wolfringmühle mit Karpfenspezialitäten verwöhnen lassen. Die Familie Auerbach führt das Lokal bereits seit über 200 Jahren und serviert eine ausgezeichnete Oberpfälzer Fischküche. Dazu laden die Teichgenossenschaft, der Fischerzeugerring und ich Sie jetzt ganz herzlich ein. Die Karpfensaison 2020 ist eröffnet!